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MTV-Reise 09. - 12.05.13 ins Allgäu
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- Geschrieben von Walter Holderegger
- Kategorie: Beiträge
- Veröffentlicht: 19. Mai 2013
Die seit „Scholers-Zeiten“ traditionell alle zwei Jahre stattfindende MTV-Reise, führte die 34 Teilnehmenden, knapp am Appenzellerland vorbei, nach Arbon im Kanton Thurgau. Im Restaurant Wunderbar neben dem Saurer-Museum wurde ein erfrischendes Café-Gipfeli zum Znüni offeriert. Das am Bodensee, in alten Hallen neu aufgebaute Saurer-Museum, zeigten uns zwei äusserst motivierte Führer im Seniorenalter mit vielen interessanten Details. Die Firma Saurer produzierte vor allem Nutzfahrzeuge, Web- und Stickereimaschinen. Mit den damaligen technischen Mitteln wurden erstaunlich präzise Maschinen bereits im 19. Jahrhundert bis in die Neuzeit entwickelt. Die in den 80ziger Jahren von einem Grossbrand heimgesuchte Firma musste ihren Betrieb dann aus verschiedenen weiteren Gründen einstellen. Das war ein harter Schlag für die Region Arbon.
Nach einer kurzen Weiterfahrt nach Horn konnten wir ein „Möhlsaft Apéro“ und ein feines Mittagessen im „Hotel Bad Horn“ bei wärmenden Sonnenstrahlen unter spriessenden Kastanienbäumen am See geniessen. Die Fahrt zum Hotel Helmerhof in Schwangau-Horn führte uns mit dem Neukomm-Bus via Pfändertunnel - Lochau - Isny - Kempten - Füssen das Westallgäu hinauf. Nach dem Zimmerbezug im Hotel wurden wir mit einem auf das Mittagessen abgestimmten Nachtessen von der Familie Helmer freundlich empfangen.
Freitag
Nach einem reichlichen Frühstück starteten wir mit dem Bus bereits um 08.15 Uhr zum nahe liegenden Ticket-Center der Königsschlösser bei Hohenschwangau. Das in der Nacht herangezogene Tiefdruckgebiet staute sich am Ammerngebirge und löste einen leichten Nieselregen aus, der die Berge in einen dichten Nebel einhüllte. Nichts desto trotz nahmen fast alle mit dem Regenschirm den halbstündigen Fussmarsch zum mächtigen Schloss Neuschwanstein hinauf in Angriff. Die ältere Generation liess sich mit einer Pferdekutsche hinauf führen. Da etwas Zeit bis zur angemeldeten Führung zur Verfügung stand, gingen noch einige zur Marienbrücke, um den Tiefblick in die schäumende „Lech“ zu geniessen. Punkt 10 Uhr wurden wir zur Führung ins Schloss eingelassen. Während der ca. 30 Min. Führung erzählte uns und weiteren Deutschsprechenden die Führerin aus dem Leben von König Ludwig dem II. von Bayern. Das imposante Schloss sei nur zu einem Drittel ausgebaut, der Rest wurde ein Opfer des vorzeitigen Tode des Königs und dem nachfolgenden Baustopp infolge Insolvenz.
Den Abstieg vom Schloss Neuschwanstein zur Bushaltestelle musste wieder mit dem Regenschirm bewältigt werden. Das Ausmass des Touristenstroms auf dem Strässchen zum Schloss und beim Ticket-Center liess uns alle erstaunen, wenn nicht erschrecken. Zu Hunderten marschierten sie zum Schloss, oder standen in duzenden von Metern in der Warteschlage vor dem Ticket-Center. Nachdem wieder unsere Reiseteilnehmenden beim „goldenen“ Neukomm-Bus „Einsitz“ genommen hatten, verschoben wir uns zur Talstation der Tegelbergbahn. Mittagsruhe der Bahnangestellten, ein streikender Billettdrucker und Kreditkartenstörungen lösten eine zeitlich leicht verzögerte Bergfahrt aus. Nach der kurzen Aufregung und nervlichen Belastungsprobe Einzelner konnten wir dann aber doch noch auf dem Tegel- (Nebel)- berg an der Wärme ein gutes Rindsschmorbratenmenü mit Gemüseknödel geniessen. Einzelne, kurzfristige leichte Nebelaufreisser liessen dann zumindest die schöne Aussicht auf die wunderschöne Allgäuer-Seenlandschaft erahnen. Die Männerturner mit ihren Partnerinnen aber liessen sich die fröhliche Stimmung nicht durch Nebel und unverständliche Betriebsabläufe vermiesen. Lachend, mit spöttischen Untertönen liessen sie sich wieder mit der Seilbahn auf die Ostallgäuer Hochebene hinunter seilen. Max Luginbühl unser umsichtige Chauffeur, fuhr uns anschliessend zum Städtchen Füssen hinüber. Auf einem Stadtrundgang mit Schirm, Charme und guter Laune spazierten wir alle durch das touristisch herausgeputze Städtchen. Shoppend, Glace schlabbernd, Café trinkend, ein Bierchen oder gar ein Schnäpschen geniessend, verteilten sich die Spiezer MTV-Reiseteilnehmenden auf die paar touristischen Strassenzüge. Die Marschtüchtigsten nahmen anschliessend den halbstündigen Marsch zurück zum Hotel nach Schwangau-Horn unter dem Regenschirm in Angriff, andere fuhren mit dem Bus zurück. Ein kleiner Rest nahm die angebotene Gelegenheit wahr um auf eigene Faust das Nachtessen in Füssen einzunehmen. Die grosse Mehrheit genoss dann aber das Nachtessen im angenehmen Helmerhof. Beim „Gute-Nacht-Wässerchen“ trafen sich dann wieder fast alle ungezwungen im Restaurant des Hotel Helmerhofes zum friedlichen Geplauder über Gott und die Welt.
Samstag
„Erst“ um 08.30 Uhr starteten wir nach einem wiederum reichlichen Frühstück via Steingaden zur Wieskirche mit ihrem sechseckigen Grundriss und der speziellen, eigenartigen Rokoko-Romantik. Die Tiefgläubigkeit der damaligen Planer und Erbauer, explizit ohne Baubewilligung und der damit verbundenen schicksalsträchtigen Geschichte, hat sich bis heute zu einem UNESCO Denkmal entwickelt. Der Besuch dieser hellen, äusserst grossräumigen Kirche mit ihrer überdimensionalen bemalten Kuppel ist ein echtes Erlebnis. Weil der Nieselregen als meteorologisches Dauerelement nicht zu bremsen war, musste auf die geplante Wanderung zu den Schleierfällen bei Saulgrub verzichtet werden. So fuhr uns Max Luginbühl via Oberammergau direkt zum Kloster Ettal. Nach einer kurzen individuellen Besichtigung der eher düsteren Klosterkirche schob die Reiseleitung ein Apéro in einem nahe gelegenen Restaurant ein. Einzelne liessen sich einen Teil eines Gottesdienstes zum 50. Hochzeitstag eines einheimischen Ehepaares nicht entgehen. Punkt 12 Uhr wurden wir in der Schaukäserei Ettal von einem bayrischen Genossenschaftsrat in Lederhose und Kniestrümpfen empfangen. Er stellte uns den Käserei-Betrieb in launischem Bayrisch auf einem Stuhl stehend vor, gespickt mit allgäuerischem Humor. Anschliessend wurden wir mit einem Brotzeit-Teller mit Käse und Fleisch, einem bayrischen Bier und einem Café von Frau Steckenbiller und ihrem Team verwöhnt.
Wiederum unterm Schirm, verschoben wir uns zu Fuss zur Kloster-Destillerie hinüber. Dort wurden wir von Frater Vitalis auf echt gekonnt, reservierte Art empfangen. Aber gleich im Kräuterraum spürte man seinen spitzen Humor und sein enormes Wissen um Kräuter aus dem Allgäu. Kräuter als natürliches Grundelement eines seit Jahrhunderten nach traditionellen klösterlichen Rezepten selbst gebrannter Liköre. Der Verkaufserlös werde zum Teil für den Unterhalt des Klosters und/oder für das hauseigene Gymnasium verwendet. Das Degustieren eines der hauseigenen Schnäppschen und der Verkauf von diversen weiteren Artikeln aus der Kloster-Destillerie mit Fater Vitalis war ein spezielles, humorvolles Erlebnis. Auf der Rückfahrt über den Ammernsattel, dem Plansee entlang nach Reutte (AU) - Füssen - Schwangau machten wir noch einen Abstecher zum Schloss Linderhof. Dieses Schloss wurde von König Ludwig dem II. während mehreren Jahre bewohnt, dies im Gegensatz zum Schloss Neuschwanstein, wo er nur einige Wochen lebte, bevor er im Forggensee ertrank. Ein an sich kleines, aber äusserst schmuckes Schlösschen mit einer prächtigen Gartenanlage, die man gesehen haben muss. Ursula Tinkel berichtigte auf der Heimfahrt mit einem kurzen Bericht den allenfalls nicht ganz richtigen Eindruck des legendären Bayernkönigs Ludwig dem II. Am Schlussabend im Hotel Helmerhof wurden wir einmal mehr mit einer dreifachen Menüliste mit Untervarianten verwöhnt. Das Ehepaar Krebs und die Geburtstagskinder Walter Hunziker und Pierrot Glaus spendeten vorgängig einen speziellen „Spritz“ als Abschlussapéro. Leider musste Walter Hunziker wegen einer Magenverstimmung passen. Schon zu Beginn des Nachtessen war der Allein-Unterhalter „Roland“ an der elektronischen Orgel. Bereits nach der Vorspeise wurde schon ausgiebig zur Musik von Roland getanzt. Nach dem Dessert liessen sich die ganz besonders Tanzbegeisterte bis zum ersehnten kühlen Drink mitreissen. Kurz vor deren „Erschöpfung“ wurde eine Verschnaufpause am Rande der Tanzfläche eingeschaltet, bzw. zu einer Abkühlung in der Stille des regengeschwängerten Freien gesucht. Beim obligaten Schlusstrunk im Restaurant flossen dann noch diverse stärkere Wässerchen die Kehlen hinunter, dies auch von den sich inzwischen wieder von ihren „Strapazen“ erholten Tanzenden.
Sonntag, Muttertag
Während dem Frühstück überreichte Walter Krebs den mitreisenden Frauen als Überraschung ein kleines oranges Täschchen mit Pralinés vom Schloss Neuschwanstein zum Muttertag. Die an den Spitzen des 2047 Meter hohen „Säuling“ festgestellte Spur von Neuschnee überzeugte auch den Letzten, die äusserst kühl empfundene Lufttemperatur nachzuvollziehen. Nach einem letzten Winken der freundlichen Gastgeberin Frau Helmer, der obligaten >Sitzbank-Quer-Kontrolle< im Bus (sind auch wirklich alle da…), starteten wir um Punkt 08.30 Uhr Richtung Nesselwang-Wertach nach Unterjoch bei Hindelang. Dort wurden wir vom Sohn der Bergbauern-Familie Lipp an der Hauptstrasse unten empfangen um uns zu ihrem Hof hinauf zu pilotieren. Peter Roth vom Spiezer-MTV hatte uns diese Adresse als landwirtschaftlicher Berater vermittelt. Um mit unserem dreiachsigen Bus zum Bergbauernhof hinauf zu gelangen, dort auf dem minimalen Milchlaster-Kehrplatz zu wenden, musste Max Luginbühl alle seine Bus-Fahrkünste anwenden.
Herbert Lipp, der Hofbetreiber, berichtete über seinen Familienbetrieb mit 15 Milchkühen, den nötigen Zusatzverdiensten wie zB. Ferienwohnungen vermieten, der landwirtschaftlichen Ausbildung für junge Frauen und Männer und über die Situation der deutschen Landwirtschaft mit ihrem Milchmarkt. In der grossen Scheune hatte Angelika Lipp mit ihrer Schwiegertochter und den beiden Söhnen ein typisch bayrisches Znüni besonderer Güte vorbereitet. Die doch recht kühle Scheune mit den feinen Käse- und Wurstprodukten verliessen wir (teilweise fast leicht unterkühlt…) wieder bei strömendem Regen. Über das Hindelanger Oberjoch und das Pass-Strassenstück mit vielen Haarnadelkurven ging die Weiterfahrt nach Bad Hindelang hinunter und weiter via Sonthofen-Immenstadt-Simmerberg-Lindau Umfahrung-Kressbronn nach Längenargen am Bodensee. Im Hotel Krone genossen wir ein einfaches aber fein zubereitetes Mittagessen um dann weiter nach Meersburg zu fahren. Auf der Fahrt dem Bodensee entlang versuchte Ursula Tinkel, als gebürtige Deutsche, berndeutsche Texte vorzulesen – der Versuch sich aktiv zu integrieren, sei hier lobenswert erwähnt. Oben beim Städtchen Meersburg stiegen wir aus dem Bus um die malerischen Gebäude des historischen deutschen Städtchens mit der Meersburg bei strahlendem Sonnenschein zu bestaunen. Unten an der Seestrasse gab‘s dann eine letzte Gelegenheit zu Shopen und/oder etwas Kühles an der Sonne zu trinken. Um 16.45 Uhr legte unsere Fähre ab um uns an der Insel Mainau vorbei, nach Konstanz zu führen. Postkarten mit deutschen Wertzeichen ennet dem Bodensse einzuwerfen hat seine besonderen Tücken. Der Schreibende musste dies unter scharfer Kamerabeobachtung und Gelächter erfahren. Auf der Autobahn ging‘s dann direkt via Winterthur-Zürich-Bern nach Spiez, wo wir planmässig kurz nach 20 Uhr eintrafen. Müde, aber zufrieden und voller schöner Eindrücke verabschiedeten wir uns am Bahnhof Spiez von Max Luginbühl, unserem Buschauffeur. Nach den obligaten Abschiedswünschen teilte sich die Reisegruppe auf, um den eigenen Heimweg einzuschlagen.



